Amtswechsel bei der Polizei in Endingen am Kaiserstuhl

Amtswechsel in Endingen

Martin Bergmann verabschiedet sich in den Ruhestand
Freddy Klein übernimmt die Leitung des Polizeipostens

In Endingen wird es Ende Oktober 2019 bei der Polizei einen wichtigen Wechsel geben. Nach 14 Jahren beim Polizeiposten in Endingen wird sich Martin Bergmann in den Ruhestand verabschieden. Aus diesem Anlass haben wir uns mit dem Leiter des Polizeipostens und seinem Nachfolger Freddy Klein unterhalten.

Jerry Clark: 14 Jahre sind eine lange Zeit. Welche Gedanken verbinden Sie mit dem Polizeiposten Endingen?

Martin Bergmann: Als ich damals eigentlich nur übergangsweise nach Endingen kam, ging ich noch davon aus, wieder zurück in den Streifendienst zu gehen. Es kam anders. Sehr schnell lernte ich die Arbeit dort zu schätzen. Besonders die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden in unserem Dienstbezirk hatte ich als sehr positiv wahrgenommen.

Was macht den Pp Endingen ganz besonders aus?

MB: Wir befinden uns im nördlichen Kaiserstuhl mit den Gemeinden Sasbach, Wyhl, Forchheim, Endingen, Riegel und Bahlingen. Hier leben circa 28.000 Einwohner. Eine Besonderheit ist sicherlich die unverwechselbare Landschaft und der Menschenschlag hier am Kaiserstuhl. Als Polizeibeamter fungiert man als Ansprechpartner für fast alle Belange. Die Wege sind kurz und man kennt sich.

Auch das polizeiliche Aufgabenspektrum ist sehr breit. Schwerpunktmäßig bearbeiten wir Delikte der einfachen und mittleren Kriminalität. Darüber hinaus kommen natürlich auch Anzeigen wegen Unfallfluchten, Verkehrsunfälle, Streitigkeiten, Ordnungsstörungen und allgemeine Anfragen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Postens zu. Die polizeiliche Arbeit verändert sich auch hier auf dem Land. Auch Cybercrime und Betäubungsmittelkriminalität beschäftigen uns regelmäßig.

Eine weitere Besonderheit ist die Nähe zu Frankreich. Wir versuchen, einen guten Kontakt zur Gendarmerie in Marckolsheim zu pflegen und besuchen uns regelmäßig gegenseitig. Das wird durch die Sprachbarriere etwas erschwert. Auch wechselt das Personal in Marckolsheim häufiger als bei uns auf deutscher Seite. Glücklicherweise haben wir auch Kolleginnen und Kollegen, die französisch sprechen.

Gab es herausragende Ereignisse, an die Sie sich erinnern?

MB: Es gab immer wieder Ereignisse, die mich persönlich berührt haben. Auch traurige Anlässe, wie zum Beispiel das Überbringen von Todesnachrichten. Es gelang mir aber meistens, diese Erlebnisse nicht mit Nachhause zu nehmen. Was mich und viele Menschen in der Region sehr bewegt hat, war das Tötungsdelikt zum Nachteil einer Joggerin, das von der SOKO Erle aufgeklärt werden konnte. Hier war es besonders wichtig, dass wir uns als Polizei intensiv um die Bevölkerung kümmerten. Wir erfuhren in dieser Zeit sehr viel Unterstützung und auch Zuspruch aus der Bevölkerung.

Der Kaiserstuhl ist ja auch überregional bekannt und zieht sicher viele Menschen an. Beeinflusst das die Polizeiarbeit?

MB: Vor allem sind es die überregional bekannten Veranstaltungen, die mal mehr, mal weniger von der Polizei begleitet werden müssen. Das sind beispielsweise Fastnachtsveranstaltungen oder die beliebten Feste und Märkte, die viele Gäste anziehen.
Nicht nur die Feste am Kaiserstuhl sind Anlass für polizeiliche Einsätze. Auch der Fußball beschäftigt uns. In Bahlingen übernehmen wir bei den größeren Begegnungen die Strafverfolgung bei Fußball-Einsätzen.

Als Leiter des Postens steht man auch in gewisser Weise in der Öffentlichkeit. Wie haben  Sie das wahrgenommen?

MB: Zumindest war das nach Dienstende kein großes Thema, da ich nie im Dienstbezirk gewohnt habe. Natürlich war ich in engem Kontakt mit den Bürgermeistern und Gemeinderäten. Jedes Jahr wurde in den Gemeinden die Kriminalstatistik präsentiert; immer ein besonderer Anlass.

Seit September arbeitet der zukünftige Leiter des Polizeipostens bereits in seinem neuen Team. Wie kam es dazu?

Freddy Klein: Nach mehr als 30 Jahren im Streifendienst, wo ich zuletzt Dienstgruppenleiter beim Polizeirevier Emmendingen war, habe ich mit Mitte 50 eine neue Herausforderung gesucht. Das ist für mich persönlich ein ganz neuer Abschnitt. Insbesondere der direkte Kontakt zu den Bürgern und zur Kommune reizt mich an dieser Tätigkeit. Mit der Zeit merkt man auch die Auswirkungen des Schichtdienstes auf den eigenen Körper. Daher freue ich mich auch auf die sicherlich etwas gesündere Arbeitszeit. Schwergefallen war mir, das gute Team meiner ehemaligen Dienstgruppe in Emmendingen zu verlassen.
Von der Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum mit dem bisherigen Leiter zusammenarbeiten, habe ich sehr profitiert.

Wie sehen Sie die Zukunft der Polizei in Endingen?

FK: Wenn ich die personellen Planungen betrachte, kann ich zufrieden sein. Wir haben hier ein sehr gutes Team. Auch die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist groß genug, um den dienstlichen Herausforderungen gerecht zu werden.

Wir sind so aufgestellt, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern auch außerhalb der Bürozeiten von 8-17 Uhr zur Verfügung stehen. An vielen Tagen sind wir bis 20 Uhr im Dienst. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit dem Streifendienst des Polizeireviers zusammen. Die Kolleginnen und Kollegen wissen, wo in unserem Bereich auch nachts mal ein Streifenwagen unterwegs sein sollte.

Abgesehen vom Leiter des Polizeipostens beschäftigten uns in jüngster Zeit noch weitere Personalwechsel. Anfang September wechselte Sandra Fien zum Polizeiposten Kenzingen. Ende des Monats geht zusammen mit Martin Bergmann auch Winfried Pfeiffer als echtes Urgestein des Postens in den Ruhestand. Wir haben das Glück, dass es bereits Interessenten gibt, die wir hoffentlich schon bald in unserer Mannschaft begrüßen können.

Wie muss man sich das Leben des Martin Bergmann im dienstlichen Ruhestand vorstellen?

MB: Ich freue mich darauf und es wird mir nicht langweilig werden. Noch mehr als bisher kann ich mich der Kommunalpolitik in meiner Heimatstadt Herbolzheim widmen. Meinem Nachfolger wünsche ich viel Erfolg bei seiner neuen Tätigkeit, die ich stets als sehr herausfordernd und erfüllend empfunden habe.

Vielen Dank für das informative Gespräch.

Das Interview führten Lisa Rieger (PRev Weil a. Rh. und derzeit Praktikantin bei der StS ÖA im Rahmen des Studiums zum ghD) und Jerry Clark (StS Ö).

Fakten

Martin Bergmann (61)
1979-1985 PRev Waldkirch
1985-1994 Polizeiposten Kenzingen
1994-1999 Studium, Aufstieg in den gehobenen Dienst
1999-2004 Polizeirevier Emmendingen
Seit 2004 Polizeiposten Endingen

Freddy Klein (55)
1983-1995 Autobahnpolizei (Müllheim und Weil a. Rh.)
1995-2019 Polizeirevier Emmendingen
Seit 1.9.2019 Polizeiposten Endingen

Das Team des Polizeipostens Endingen (Stand 22.10.2019)
POK Michael Becker (Stv. Leiter)
PHK Martin Bergmann (Leiter)
PHM’in Claudia Jägle
PK Ronny Heinig (Derzeit Polizeipräsidium Freiburg)
PHK Freddy Klein (Leiter ab 1.11.2019)
Isabel Mögle (Tarifbeschäftigte)
PHM Winfried Pfeiffer (Cybercrime)
PHM Abdulvahit Sovuksu (Jugendsachbearbeiter)

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