Einsatzgeschehen vom 07./08.11.2020 am Platz der Alten Synagoge

Ein offener Brief:

„Sehr geehrte*r ***,

vielen Dank für Ihre Facebook-Nachricht an die Polizei Freiburg vom heutigen Morgen, in der Sie berechtigt kritisch die Geschehnisse im Zusammenhang mit einer Versammlungslage am Platz der alten Synagoge vom vergangenen Wochenende ansprechen.

Im Zusammenhang mit dieser Versammlungslage, bei welcher sich vier Personen auf einem Baum unmittelbar neben der Gedenkstätte am Platz der Alten Synagoge niederließen, wurde es erforderlich, entsprechende Absperrmaßnahmen um den Baum herum vorzunehmen. Nur durch diese Sicherheitsvorkehrungen konnte eine mögliche Gefährdung Unbeteiligter wirksam minimiert werden.

Im Zuge dessen kam es zu zwei Ereignissen, welche ich zum Anlass nehme, mich bei Ihnen im Namen des Polizeipräsidiums Freiburg zu entschuldigen.

So wurde der Zutritt zum unmittelbaren Gefahrenbereich zunächst provisorisch mittels Absperrband nach außen hin sichtbar markiert. Dabei wurde das Absperrband bedauerlicherweise auch an den Infotafeln der Gedenkstätte fixiert.

Das Polizeipräsidium Freiburg wurde bei der Versammlungslage durch die Polizeireiterstaffel Mannheim unterstützt. Im Verlauf des Einsatzes tranken die eingesetzten Pferde aus dem Gedenkbrunnen.

Dies hätte nicht passieren dürfen. Dies bedauere ich zutiefst. Besondere Tragweite erhalten diese Geschehnisse mit Blick auf eines der schlimmsten Ereignisse unserer Geschichte, das sich heute jährt. Wir alle gedenken heute, am Jahrestag der Reichsprogromnacht, den ermordeten jüdischen Frauen, Männern und Kinder und verneigen uns mit tiefem Respekt vor den Überlebenden. Zurecht darf die Gesellschaft daher die Erwartungshaltung an uns als Polizeipräsidium Freiburg haben, dass Respekt und Toleranz stets unser Handeln leiten. Dass dies in den dargestellten zwei Ereignissen nicht der Fall war, entspricht ausdrücklich nicht unserem Selbstverständnis und unseren Leitbildern und wir nehmen diese selbstverständlich zum Anlass zur polizeiinternen Nachsensibilisierung, so dass sich entsprechende Ereignisse künftig nicht noch einmal wiederholen.

gez.
Matthias Zeiser,
Polizeivizepräsident des Polizeipräsidiums Freiburg“
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