Frauen, die mit Sicherheit begeistern

30 Jahre Frauen bei der uniformierten Polizei in Baden-Württemberg. Anlässlich dieses Jahrestags hat sich das Social Media Team gefragt, wer über die damalige Premiere etwas erzählen könnte. Gibt es beim Polizeipräsidium Freiburg Frauen, die zu „den Ersten“ gehörten?

Nicht ganz am allerersten Tag aber genau ein Jahr später wurde unsere Kollegin Anita Junker in den Polizeidienst eingestellt. Anita ist Sachbearbeiterin im Streifendienst beim Polizeirevier Müllheim. Sie war bereit, uns etwas über ihre Erlebnisse zu erzählen. Wir trafen sie in Müllheim, zusammen mit ihrer Kollegin Linda Brenner. Linda befindet sich noch in Ausbildung und macht derzeit ihr Praktikum beim Polizeirevier Müllheim.

Frage: Danke, dass ihr euch bereit erklärt habt, unserer Community über eure Erlebnisse im Polizeidienst zu erzählen. Wir haben ja ein ganz besonderes Jubiläum – 30 Jahre Frauen bei der Schutzpolizei in Baden-Württemberg. War das damals etwas Besonderes?

Anita: Als ich im September 1988 bei der Bereitschaftspolizei in Lahr eingestellt wurde, gab es schon seit einem Jahr Frauen bei der Polizei, zumindest in der Ausbildung. Ich hatte das Gefühl, dass da schon etwas Normalität eingekehrt war. Die Ausbilder machten jedenfalls keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.  Damals, vor 30 Jahren, war es aber schon etwas exotisch, Polizistin zu werden. Meine Eltern sahen meine Berufswahl eher skeptisch, Freunde hingegen fanden meine Entscheidung mutig und verfolgten meine Ausbildung und spätere Praxis mit großem Interesse.

Linda: Das ist heutzutage nicht mehr so.  Meine Familie und meine Freunde haben mich immer unterstützt und finden es spannend, was ich tue. Wir werden als Frauen in der Ausbildung weder benachteiligt, noch bevorzugt. Wir müssen letztendlich dieselben Leistungen erbringen wie unsere männlichen Kollegen.

Frage:  Anita – gab es viele Frauen in deiner Klasse?

Anita: Damals gab es keine Klassen. Wir waren in Hundertschaften und Zügen organisiert. Heute ist das zeitgemäßer. In meinem Ausbildungszug waren wir überraschenderweise mehr Frauen als Männer. Keine Ahnung, was der Grund dafür war. Als ich Monate später ein Praktikum machen durfte, war ich die erste Frau bei der Polizei in Müllheim. Ich kann mich erinnern, dass sogar die Zeitung darüber berichtet hatte. Sehr oft wurde man von Bürgern darauf angesprochen, ob es nicht gefährlich sei, als Frau bei der Polizei zu sein.

Linda: In meiner Klasse waren wir in etwa zu einem Drittel Frauen. Ich empfand das als ziemlich angenehm – es dürften aber gerne noch mehr Frauen sein.

Frage: Wurde damals etwas an den Uniformen geändert – speziell für Frauen?

Anita: Ja – einiges davon war aber weniger für die Praxis geeignet. Es gab zum Beispiel Röcke und besondere Schuhe. Außerhalb des Klassenzimmers waren diese Kleidungsstücke aber kaum in Benutzung. Die heutige Dienstkleidung ist da schon angenehmer. Was für jeden galt, egal ob Mann oder Frau: wir mussten uns erst mal daran gewöhnen, eine Uniform zu tragen.

Linda: Ja, das stimmt. Anfangs war es schon sehr ungewohnt. Ich persönlich finde, dass die Uniform optisch noch einmal unterstreicht, dass Frauen und Männer die gleiche Arbeit im Polizeidienst machen.

Frage: Hat es aus eurer Sicht Vorteile, wenn Frauen im Polizeialltag dabei sind?

Linda: Ich habe es schon erlebt, dass bei einer konfliktträchtigen Situation eine Frau eher mal zur Beruhigung der Lage beitragen konnte. Bei häuslicher Gewalt machen wir es oft so, dass wir uns als Streifenteam aufteilen. Ich kümmere mich dann um die betroffene Frau, während mein Streifenpartner mit dem Mann spricht.

Anita: Das kann ich so bestätigen. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Ich kann mich an einen Fall erinnern, als wir es mit einer strenggläubigen, muslimischen Familie zu tun hatten. Ich war für diesen Einsatz eigentlich verantwortlich. Der Mann als Familienoberhaupt tat sich aber schwer damit, mit mir zu sprechen. Auch mit solchen Situationen muss man dann umgehen können.

Frage: Würdet ihr Frauen grundsätzlich empfehlen, den Polizeiberuf zu wählen?

Anita: Auf jeden Fall. Man muss aber wissen, auf was man sich einlässt. Man hat es mit schwierigen und belastenden Situationen zu tun. Wir haben regelmäßig Kontakt mit Straftätern und werden auch oft mit Not und Elend konfrontiert. Die Arbeitszeiten sind auch gewöhnungsbedürftig. Wenn das alles kein Problem darstellt, hat man die Chance auf einen der interessantesten Berufe, die es gibt. Auch Familie und Beruf konnte ich immer gut in Einklang bringen. So hatte ich die Möglichkeit, für die Erziehung meiner zwei Kinder längere Zeit beruflich zu pausieren. Im Moment arbeite ich in Teilzeit.

Linda: Das was ich bisher erleben konnte, hat mich begeistert. Ich bin mir sicher, es war eine gute Entscheidung, zur Polizei zu gehen. Ich glaube zwar, dass es noch ein paar Jahre dauern kann, bis Frauen bei der Polizei wirklich zur Normalität geworden sind und sich keiner mehr an die „alten Zeiten“ ohne Frauen erinnern wird. Ich denke aber, dass die meisten Kollegen, die heute mit uns Frauen zusammenarbeiten, damit gar kein Problem haben. Also da ist definitiv Normalität zu verspüren, so wie ich das bisher im Praktikum erlebt habe. Dieses Bild vom „männerdominierten“ Beruf ist nicht mehr so, wie es mal war.

Frage: Welche Ziele hast du für die Zeit nach der Ausbildung?

Linda: Mein Ziel oder eine Wunschvorstellung ist eigentlich die Kriminalpolizei. Ich würde auch sehr gerne den Sprung zum Studium schaffen und in den gehobenen Dienst wechseln. Aber da ich noch so frisch am Anfang stehe und erst erfahren muss, wie es als Streifenpolizistin ist, kann ich mir auch gut andere Wege für mich vorstellen. Auf jeden Fall werde ich erst einmal Berufserfahrung sammeln.

Anita Junker ist 49 Jahre alt und als Polizeihauptmeisterin im Streifendienst beim Polizeirevier in Müllheim tätig. Linda Brenner befindet sich noch in Ausbildung. Die 21-jährige Polizeimeisteranwärterin wurde nach dem Abitur im März 2016 in Lahr eingestellt und absolviert derzeit ein Praktikum bei der Polizei in Müllheim.


Von den „Frauen der ersten Stunde“ arbeiten noch drei Polizistinnen beim Polizeipräsidium Freiburg. Wir haben uns gefragt, wie ein dienstlicher Werdegang nach 30 Jahren aussehen könnte und haben deshalb eine Kollegin dazu befragt. Für diesen interessanten Einblick in ihr dienstliches Leben sind wir Monika Arndt vom Referat Prävention sehr dankbar, denn die letzten Jahrzehnte im Polizeidienst waren wirklich mehr als abwechslungsreich.

Frage: Monika, wie können wir uns deine Karriere im Zeitraffer vorstellen?

Monika: Ich wurde am 1. September 1987 im Alter von  19 Jahren als eine der ersten uniformierten Frauen bei der Polizei in Baden-Württemberg eingestellt. Ich trat meinen Dienst bei der damaligen 4. Hundertschaft der Bereitschaftspolizei in Lahr an. Bevor ich zur Polizei ging, war ich übrigens Chemielaborantin.

Frage: Und wie war das als eine der Ersten?

Monika: Es gab zwei „Ausbildungszüge“ in Lahr. In jedem Zug gab es jeweils 20 Männer und 10 Frauen. Die Situation war für die älteren Beamten dort teilweise schon sehr ungewohnt. Ein lustiges Beispiel fällt mir aus dem Schwimmunterricht ein. Ein älterer Ausbilder war der Meinung, er müsste uns Frauen erst mal alle Grundtechniken und Schwimmarten beibringen. Er merkte aber sehr schnell, dass wir nicht in Gefahr gerieten, zu ertrinken. Auch die Diskussionen darüber, welche Art von Strümpfen unter dem dienstlich gelieferten Röcken zu tragen waren, empfand ich als eher skurril und im Nachhinein betrachtet sehr amüsant. Die Ausbildung an sich verlief aus meiner Sicht aber sehr gut.

Frage: Wie ging es nach der Ausbildung weiter?

Monika: Ich hatte von Anfang an den Wunsch, an meinen früheren Beruf (Chemielaborantin) anzuknüpfen und zum damaligen Wirtschaftskontrolldienst zu wechseln. Bis dorthin sollte es aber noch einige Zeit dauern. Zuerst kam ich ein eine Einsatzhundertschaft und wurde später als Gruppenführerin und Ausbilderin in Lahr übernommen. Dort unterrichtete ich beispielsweise Waffen- und Schießlehre. Während dieser Zeit profitierte ich auch von der sportlichen Förderung und war z. B. im Schießen und beim Polizeifünfkampf (Schießen/Schwimmen/Kugelstoßen/Weitsprung und Geländelauf) auch auf internationalem Terrain aktiv. Darüber hinaus wirkte ich (als Waldhornspielerin) in den Polizeimusikkorps in Lahr und Freiburg mit. Es war also eine sehr abwechslungsreiche Zeit.

Nachdem ich in meiner Freizeit die Fachhochschulreife nachgeholt hatte, bekam ich die Zulassung für den gehobenen Polizeivollzugsdienst. Im Herbst 1992 begann das Studium in Villingen-Schwenningen. Danach begann ich als frischgebackene Polizeikommissarin eine ganz neue Tätigkeit bei der Bereitschaftspolizei in Böblingen. Dort half ich die Einsatzabteilung aufzubauen und leitete als erste Frau in Baden-Württemberg einen Einsatzzug. Wir sind zu Einsätzen in der ganzen Bundesrepublik Deutschland und natürlich in Baden-Württemberg gefahren. Wir wurden z. B. zu Suchaktionen, Demonstrationen oder Schutzmaßnahmen gerufen. Manches vergisst man nicht: Der damalige russische Präsident Jelzin hat mir bei einem Einsatz mal die Hand gegeben. Mein größtes Ziel war es immer, meine Leute heil aus den Einsätzen wieder nach Hause zu bringen, was je nach Einsatzverlauf nicht immer einfach war.

1997 bekam ich die Chance in meine Heimat zurückzukehren. Ich wurde stellvertretende Leiterin des Polizeipostens Freiburg-Stühlinger. Ein Jahr später erfüllte sich mein Wunsch, zum Wirtschaftskontrolldienst zu gehen. Bis zur Auflösung dieses Fachdienstes Ende 2004, war ich dort im Arbeitsbereich Gewerbe/Umwelt tätig. Im Jahr 2005 kam eine ganz neue Herausforderung auf mich zu. Ich wurde die Leiterin der Verkehrserziehung in Emmendingen und durfte später die stellvertretende Leitung der Emmendinger Verkehrspolizei übernehmen.

Und 2014 wartete schon die nächste Station auf mich. Nachdem ich für die Polizeistrukturreform beim Aufbau des Referats Prävention in Freiburg mitwirken durfte, arbeitete ich dort nach der Reform im Bereich der Verkehrsprävention. Seit circa zwei Jahren bin ich nun bei der Kriminalprävention und dort hauptsächlich für Medienprävention und Zuwanderer zuständig. Auf ein zusätzliches Betätigungsfeld bereite ich mich gerade vor – das wird der Einbruchschutz sein.

Frage: Gibt es für dich ein Fazit nach 30 Jahren Polizeidienst?

Monika: Seit damals, als die Polizei eine reine Männerwelt war, hat sich Einiges getan. Die Frauen sind in diesem Beruf angekommen und akzeptiert. Das soll nicht heißen, dass es nicht noch Optimierungsmöglichkeiten geben würde. Die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft, in der Berufswelt und insbesondere in Führungspositionen, wird weiterhin Thema bleiben. Wir sind auf einem guten Weg.

Polizeihauptkommissarin Monika Arndt ist Mitarbeiterin im Referat Prävention des Polizeipräsidiums Freiburg und dort schwerpunktmäßig für die Medienprävention und für Zuwanderer zuständig.

Die Interviews führte Jerry Clark (Stabsstelle Öffentlichkeit beim Polizeipräsidium Freiburg)

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